Allgemeines
Stuttgarter Appell
Es wird beim leidigen Thema “Stuttgart 21″ Zeit für einen Volksentscheid. Wer das auch so sieht, kann auf stuttgarterappell.de seine Stimme dafür abgeben.
Auch wenn ich inzwischen in Berlin wohne (und im Übrigen gar keine Schwäbin bin), verfolge ich natürlich den Schwabenaufstand mit Interesse und Wohlwollen. Manch Vorurteil vom braven, kehrwochengläubigen Schwaben, wie selbst auf SpOn zu lesen ist, darf man getrost vergessen; im Gegenteil, der Schwabe ist von Natur aus eher stur und Obrigkeitshörigkeit gehört glücklicherweise auch nicht zu seinen größten Talenten. Es kann also durchaus noch spannend werden, so leicht werden die Stuttgarter auf beiden Seiten nicht klein beigeben…
freelancermap.de & designenlassen.de kooperieren
Die Qualität der angebotenen Projekte im Webdesign-Bereich bei freelancermap.de war für meinen Geschmack nie sonderlich hoch, scheinbar gibt es dort keine Qualitätskontrolle. Aber in letzter Zeit häufen sich in dieser Börse Projektanfragen, die – unabhängig von qualitativen Aspekten – geradeheraus und ohne einen Hauch von Schamesröte den Preisverfall dokumentieren. Ein Screendesign für eine Unternehmensberatung (!) wird dort beispielsweise angefragt, drei unterschiedliche Entwürfe sollen es sein – für 300 Euro. Ein anderes Mal sucht eine Berliner Internetagentur Freelancer, die grafische Screendesigns in TYPOlight-Websites umwandeln, also HTML, CSS, TYPOlight-Programmierung und -Einrichtung, das ganze Paket – für sage und schreibe 50 Euro. Nein, nicht pro Stunde. Pro Website. Dabei ist freelancermap eigentlich ein reines Business-Portal, den 14-jährigen Schüler, der zu solchen Konditionen vielleicht gerne was hinzuverdient, wird man dort kaum antreffen.
Irritiert von derlei Projektangeboten habe ich ein wenig im Netz gestöbert, wie es zu sowas kommen kann. Und siehe da, freelancermap kooperiert seit Neuestem mit designenlassen.de. Das erklärt Einiges.
Designenlassen ist sowas wie das myHammer für Designer und aus Unternehmersicht fraglos eine tolle Sache. Denn bei großen Projekten ist es im Designbereich nicht unüblich, einen sogenannten Pitch zu veranstalten: das Unternehmen stellt eine Aufgabe (und nennt meist auch das Budget), lobt einen Wettbewerb dafür aus, und interessierte Agenturen dürfen dann ihre Vorschläge und Konzepte einreichen. Der “Gewinner” bekommt das Projekt und das Renommé, die Verlierer zumindest eine kleine Aufwandsentschädigung für die entstandene Arbeit. Das Unternehmen kann sich somit den besten Anbieter bzw. den besten Entwurf herauspicken, und die Agenturen – nun ja, für die war es immer schon eine Streitfrage, ob so ein Vorgehen fair und für die Agenturen lohnenswert ist. Aber dafür ging es ja früher auch um Millionenprojekte, tolle Referenzkunden, Agenturrankings, und es war meist Usus, dass die Verlierer nicht ganz leer ausgingen.
Bei designenlassen.de läuft das genauso. Nur, dass es da nicht um Millionenbeträge geht, sondern um komplette Websites mit individuellem Design und allem pipapo für 250 Euro. Und um diese 250 Euro kloppen sich nicht fünf ausgewählte Agenturen,, sondern… ich schau gerade mal nach, mit welchem aktuellen Wert auf der Seite geworben wird… sondern durchschnittlich 113 Designer. Von denen 112 hinterher keinen Cent für ihre Arbeit sehen. Wie die dort Tätigen von ihrer Arbeit leben können ist mir ein absolutes Rätsel. Für eine vernünftige Website braucht man inkl. Beratung, Kommunikation, Konzept, Design, HTML & CSS Umsetzung, den nötigsten Suchmaschinenmaßnahmen und der Sicherstellung der Cross-Browser-Kompatibilität ungefähr eine Arbeitswoche. Den Idealfall an Einkommen kann man nun leicht selbst errechnen, muss dann allerdings wieder, wir reden ja von Selbständigen, die Betriebsausgaben gegenrechnen, sowie die Leerlaufzeiten einplanen, in diesem Fall auch die Arbeitszeiten für Verlierer-Designs, die Zeiten für Akquise, für buchhalterischen Kram, für Fortbildung, etc. Von dem, was übrig bleibt, gehen immer noch Krankenkassenbeiträge, Einkommensteuer etc. ab. Von dem kläglichen Rest kann man kaum überleben, und ums Überleben sollte es für einen Designer ja auch nicht gehen, es ist schließlich ein hochwertiger Beruf, der eine vernünftige Bezahlung verdient. Warum sich Designer zu sowas herablassen, wie das Ganze für sie erfolgreich funktioniert, ist mir wie gesagt ein Rätsel. Den Auftraggebern scheint das jedoch schnurz zu sein.
Womit wir wieder bei freelancermap wären. Die wollten bei designenlassen.de nämlich ein neues Logo in Auftrag geben, haben es aber nicht geschafft, weil ihre Anfrage im “Daten-Nirvana” gelandet ist. Das darauffolgende Support-Telefonat mündete aber umgehend in einem Kooperationsgespräch. Denn bei designenlassen.de “finden Unternehmen individuelles Design zu einem günstigen Preis”, und bei freelancermap.de den “passenden Programmierer”. Steht wirklich so in der Pressemitteilung…
Vorratsdatenspeicherung verfassungswidrig
Das Bundesverfassungsgericht hat heute die seit 2008 wirksame Vorratsdatenspeicherung in der jetzigen Form für verfassungswidrig erklärt. Erstmal eine gute Sache und ein Etappenerfolg.
Aber so richtig Freude aufkommen will bei mir nicht. Zeigt das Urteil doch nur erneut das Muster, nach dem Politik nun schon seit Jahren funktioniert. Dieses Gesetz war immerhin zwei Jahre in Kraft. Inwiefern es den Erfindern verfassungskonform erschien, erschließt sich zumindest mir als totalem Laien nicht. Das Grundgesetz kann man im Übrigen hier jeder kostenlos bestellen. Ich kann es mir nur so erklären, dass Herrn Schäuble, seinen Kollegen sowie dem ganzen Beraterstab im Hintergrund eine andere Version vorliegt. Auch unserem Bundespräsidenten, der bereitwillig seine Unterschrift darunter gesetzt hat. Und nun wird es als Erfolg für die Demokratie und Grundrechte gefeiert, wenn Karlsruhe das Ding erwartungsgemäß “einkassiert”. Alles ist gut, der Laden läuft prima.
Mir wird eher angst und bange, wenn Urteile wie dieses mir vergegenwärtigen, an welch seidenem Faden unsere Grundrechte inzwischen hängen. Was, wenn der werte Vorsitzende Herr Papier in nicht allzu ferner Zukunft durch ein, sagen wir, “gefälligeres” Modell ersetzt wird. Wieviele Menschen mit Rückgrat sitzen denn heutzutage überhaupt noch in entscheidenden Positionen. Welcher Politiker wird noch glaubhaft als aufrechter Demokrat wahrgenommen, wer versucht ernsthaft im Sinne der Bevölkerung bzw. des Landes zu wirken und nicht im Sinne eigener bzw. parteiinterner Interessen. Mir fällt kein Einziger ein. Das finde ich persönlich traurig. Und das Traurigste ist, es wird sich nichts daran ändern, weil niemand die Verantwortung übernehmen muss oder jemals Konsequenzen zu befürchten hat.
Nichtsdestotrotz, ein herzlicher Dank an das Bundesverfassungsgericht und ein sehr ernst gemeintes “Weiter so!”
Von Klötzchen und Ballermännern
Liebes Tetris, alles Gute zum Geburtstag, oder besser От всего сердца поздравляю тебя с Днём рождения! Seit 25 Jahren werden deine allseits beliebten Klötzchen durch die Gegend geschoben. Ja, das waren noch die guten alten Pionierzeiten, als Computerspiele sich durch einfache, geniale Ideen auszeichnen mussten, um erfolgreich zu sein. Heute unterscheiden sich die gefühlt 7365082654 Ballerspiel-Varianten höchstens in Nuancen der Grafikkartenausnutzung und Blutspritzwinkel. Nichtsdestotrotz: wer an sowas Spaß hat, soll es tun. Die leidige “Killerspiel”-Debatte hat gestern wieder Zunder bekommen durch die Einigung der Innenminister von Bund und Länder, diese Spiele zu verbieten. Einen passenden knackigen Kommentar dazu gibt es (ausgerechnet!) bei Welt Online. Verzweifelter, realitätsferner Aktionismus, um auf Stimmenfang zu gehen – aber, der Kalauer sei mir erlaubt, der Schuss könnte auch nach hinten losgehen.
Eine ganze Generation wird vor den Kopf gestossen, und auch bei den Älteren finden sich mit Sicherheit viele Vernunftsmenschen, die merken, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Computerspielen und Amokläufen grober Unfug sind. Und dass das Problem eben doch etwas komplexer und elementarer ist, als das man es mit derart einfachen, schnellen Lösungen wegwischen könnte. Das ist für mich das Ärgerlichste an der Debatte: die wirklich dringenden gesellschaftlichen Probleme (Bildung, Erziehung, Leistungsgesellschaft, etc.) werden in den Hintergrund gedrängt. Es wird nichts konkret *für* unsere Jugendlichen getan, stattdessen zeigt man ihnen mit Verboten, was man von ihnen und ihren Lebenswelten hält. Und wundert sich dann über ihre Politikverdrossenheit.
Ich bin jedenfalls noch nicht verdrossen genug, um nicht wählen zu gehen und freue mich , morgen kundzutun, was ich von solcher Politik halte. Ahoi!
Grundrechtefest am 23.05.2009
Anlässlich des 60. Geburtstags unseres Grundgesetzes finden am kommenden Samstag in zahlreichen deutschen Städten, auch in Stuttgart, Aktionen zur Verteidigung unserer Grundrechte gegen die ausufernde Überwachung durch Wirtschaft und Staat statt. Ich hoffe, es werden viele Menschen an den verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen, um damit zumindest ein Zeichen zu setzen und vielleicht den ein oder anderen Bürger auf das Thema aufmerksam zu machen.
Mehr zum Thema beim AK Vorratsspeicherung
Das größte Grundrechtsfest findet übrigens in Berlin statt, mehr dazu weiss das Aktionsbündnis Freiheit statt Angst
Ausnahmsweise mal was Politisches
Aus aktuellem Anlass möchte ich an dieser Stelle auf den als “BKA-Gesetz” in den Medien kursierenden Versuch unserer politischen Stellvertreter hinweisen, u. a. die strikte Trennung von Geheimdienst und Polizei auszuhebeln, die in unserer Verfassung (aufgrund eher unguter Erfahrungen in der Vergangenheit) festgeschrieben ist. Das mag übertrieben klingen und auch sein – starker, dreist-dämlicher Tobak ist der Gesetzesentwurf aber allemal, wie ich finde. Stehen deswegen Millionen Deutsche wutentbrannt auf den Straßen? Nö, die Mehrheit scheint’s gelassen zu nehmen. Stichwort: “Wer nichts zu verbergen hat…”. Gibt es eine nennenswerte Opposition? Nicht wirklich. FDP, Grüne und Linke sind zwar generell dagegen, vereinzelte Stimmen stellen auch berechtigte Vergleiche mit FBI und Stasi an, aber das war’s dann auch schon. Gibt es irgendwelche Kritik in den breiten Medien? Ja, schon, ein bißchen – bezüglich einiger Details des Gesetz-Entwurfs, beispielsweise der Online-Durchsuchung. Doch kaum jemand in der Obrigkeit, der das Gesamtpaket in Frage stellt.
Nun ja, nicht ganz: Hansjörg Geiger tut’s zum Beispiel, mit recht deutlichen Worten. Ich frage mich, wieviele der Befürworter des Gesetzentwurfs seine Stellungnahme aufmerksam gelesen haben.
Das BKA-Gesetz zu durchleuchten und zu dokumentieren, in wievielerlei Hinsicht es falsch ist, würde hier jeden Rahmen und meine Kompetenz sprengen, das können andere besser (netzpolitik.org, Telepolis). Das heisst aber nicht, dass ich als Bürger schweigend hinzunehmen habe, wenn unsere Politiker Amok laufen. Man möchte beim Lesen der Nachrichten nur noch mit dem Kopf schütteln. Ein paar unsortierte Highlights der letzten Tage:
- Die sächsischen JuSos bringen mit ihrer Ablehnung des BKA-Gesetzes die Bundesratsmehrheit in Gefahr, die nötig ist, um das Gesetz Ende November zu verabschieden. CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl bezeichnet dies, ganz im Sinne des respektvollen Umgangs mit Andersdenkenden, als “linkes Gerülpse aus Sachsen”. Auch SPD-Mensch Dieter Wiefelspütz schwebt offenbar in völlig anderen Sphären. Mal bezeichnet er das BKA-Gesetz als das “beste Polizeigesetz in ganz Deutschland”, mal als “so gut, so notwendig, so überzeugend, dass man ihm mit guten Gründen nicht die Stimme versagen kann”. Und lässt tief in sein persönliches Demokratieverständnis blicken, indem er sagt, der Bundesrat habe “politisch auch nicht das Recht” das Gesetz in Frage zu stellen.
- Die Reporter ohne Grenzen weisen auch nochmal explizit darauf hin, was das Gesetz für die Pressefreiheit bedeutet. Denn sinnigerweise sind Geistliche(?) und Abgeordnete(!) davor geschützt, Journalisten und Ärzte aber nicht. Die Süddeutsche fragt sich, wie die Watergate-Affäre wohl verlaufen wäre, wenn es in den USA damals das BKA-Gesetz gegeben hätte.
- Aber es gibt auch “gute” Nachrichten! Der Verfassungsschutz stellt die Überwachung des Bürgerrechtlers Dr. Rolf Gössner ein. Nach 38 Jahren. Hier in Deutschland. So übertrieben ist das Modeschlagwort “Stasi 2.0” wohl doch nicht…
- Und zum Schluss noch was “Lustiges”: Dass es die Telekom mit dem Datenschutz nicht so wahnsinnig genau nimmt, ist ja hinlänglich bekannt. Und so können auch mal IP-Adressen des BND durchsickern. Mal von den Telekomikern abgesehen: da haben die Jungs vom Geheimdienst ganze Arbeit geleistet. Von solchen Experten lässt man sich doch gerne überwachen!
Langer Rede kurzer Sinn:
Wenn es nicht unbedingt notwendig ist, ein Gesetz zu erlassen, ist es unbedingt notwendig, ein Gesetz nicht zu erlassen
Charles-Louis de Montesquieu
Danke, LG Berlin…
… für den kleinen Funken Hoffnung, dass es doch so etwas wie Gerechtigkeit in unserer Justiz gibt. Denn gestern wurde doch tatsächlich Abmahnanwalt Günter Freiherr von Gravenreuth verurteilt. Zwar nur verhältnismäßig milde, da es letzten Endes um eine Bagatellsache ging, aber immerhin. Zu den Glanztaten des Herrn gehören schließlich die legendären Tanja-Briefe und der Explorer-Krieg gegen SELFHTML. Wer mehr über den Mann wissen möchte, dem empfehle ich den Schnelleinstieg per Wikipedia, und wenn’s richtig in die Tiefe gehen soll (auch bezügl. anderer Abmahnanwälte und dem deutschen Abmahnwesen generell), das wunderbare rotglut.org – dem bislang ein Eintrag zum Urteil fehlt, wahrscheinlich wurde da gestern abend heftigst gefeiert
Offen bleibt natürlich, ob Herr von Gravenreuth gegen das Urteil in Revision gehen wird. Ebenso, was aus seiner Zulassung als Anwalt wird, was schon wieder ein ungläubiges Kopfschütteln hervorruft, aber im Moment überwiegt bei mir einfach nur die Freude…
Ach ja, selbstverständlich schreibt auch die taz über das Urteil, auch dahin natürlich ein herzliches Dankeschön!
sightdesign.de Relaunch
Es ist vollbracht – nach mehr als drei Jahren war es an der Zeit für eine Generalüberholung meiner Website. Ich hoffe, das neue Layout gefällt meinen Besuchern genauso gut wie mir
Als Content Management System setze ich ab jetzt das hervorragende MODx ein, welches auf Etomite basiert (welches ich bislang verwendet habe). Modx ist ein Open Source PHP Application Framework, das vor allem durch seine einfache Bedienung, die SEO-Fähigkeiten und der weitreichenden Integration von AJAX und CSS überzeugen kann. Ich habe es bei meiner Arbeit für die Trackplus Website kennen- und schätzen gelernt und kann es nur jedem empfehlen, der auf der Suche nach einem schlanken, modernen CMS ist. Wobei “schlank” in dem Fall nicht mit “abgespeckt” gleichzusetzen ist – das System wartet mit einer nicht zu unterschätzenden Funktionsvielfalt auf. Dieser Blog beispielsweise kommt aus MODx und nicht aus Wordpress, und ich bin gespannt, wie er sich in der Praxis bewähren wird…
[Kleine Anmerkung am 13.10.08: Zwischenzeitlich bin ich für den Blog-Bereich doch wieder auf Wordpress umgestiegen, da es in MODx doch zuviel "Gefuddel" braucht, um etwas Blog-artiges auf die Beine zu stellen - es ist nicht ganz die eierlegende Wollmilchsau, als die es von den Entwicklern beworben wird. Aber ansonsten bin ich von MODx nach wie vor überzeugt und begeistert.]
In dem Sinne – happy blogging! (Oder was auch immer man zu solchen Gelegenheiten sagt. Ich werde jetzt jedenfalls erstmal eine Flasche Jules Mumm gegen mein Macbook hauen. Ganz sanft.)